Velo parkt mit Gleisanschluss

VELOP.CH

Wegrecht durch das Reitergebäude nutzen

Da es vor, während und auch nach der Umgestaltung der Bauten am Gleisfeld des Bahnhof SBB in Basel (Elsässertor / Südpark / Meret-Oppenheim-Hochhaus ) an Veloabstellplätzen für Pendler mangelt, welche aus einem dichtbesiedelten Einzugsgebiet (Gundeldingen / Binningen / Allschwil) den Bahnhof erreichen, soll zeitnah nach Lösungen für ein kostendeckendes Veloparking gefunden und nach Möglichkeit umgesetzt werden.

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Eine Strasse durch den Reiterbau war bei der Baueingabe 1968 als ein Zugeständnis an Autofahrer aus dem Gundeldingerquartier geplant. In den 1980er Jahren führte tatsächlich eine Strasse von der Hochstrasse über eine Rampe in das PTT Betriebsgebäude (Bild links, Pfeil gelb), zumindest für PW. Die Öffnung war für die LKWs der PTT zu wenig hoch und hatte zum Entladen der LKW nur profisorischen Charakter. Bei der Fertigstellung der Zufahrt für LKWs von der Gartenstrasse her wurde die Rampe wieder zurückgebaut. Trotz Wegrecht wurde damals von einer Einfahrt für PW ins Parkdeck oder einer sicheren Veloverbindung bis zur Gartenstrasse. Die Velolösung ist rechtlich heute noch durchsetzbar.

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Mit VELOP.CH sollen bereits 2017 erste modellhafte Veloabstellplätze mit Gleisanschluss realisiert werden. Gesucht sind entsprechende Immobilienangebote in nächster Nähe des Bahnhofs Gundeldingen. Anlässlich der öffentlichen Planauflage zum Areal Nauentor wurde eine Anregung einer Zwischennutzung (PDF) eingereicht. Update vom 7.5.2019: Der Kanton Basel-Stadt und die Post haben signalisiert, diese Anregung umzusetzen.

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Als vorbildlich gilt das Veloparking am Bahnhof SBB in Basel. Es liegt im UG und ist gleichzeitig als eine sichere Velo- und Fussgängerverbindung vom Bahnhof zur Stadt konzipiert: Während oben Tram- und Autoverkehr (Nauenstrasse) dominiert, hat unten der Langsamverkehr Vortritt. Akuter Mangel an Veloabstellplätzen für Pendler ist hingegen beim 'Hinterausgang' auszumachen. Das Velo-Elend ist bei vielen Bahnquartieren grösserer Städte festzustellen. Lösungen werden höchstens für den Status quo in Aussicht gestellt, nicht aber für ein optimistisches Szenario, wo der Veloverkehr an Zahl und Qualität zunimmt mit entsprechendem Bedarf an Veloabstellplätzen. Siehe auch Basler Velokonzept.

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Vision: Infrastruktur für Umsteiger vom Zug auf das Velo einmal grosszügig gestaltet wie in einem Flughafen.
Photomontage VELOP.CH

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Update vom 22.1.2020: Inzwischen wird von einer der Zwischennutzung abgesehen, weil das Zeitfenster zu kurz sei. Die Planer des Areal Nauentor (Baubegin 2021) stellen trotz insistieren noch immer nur eine Fussgängerverbindung vom Gundeldinger Quartier zum St. Alban-Quartier in Aussicht. Mit Umweg über das Niveau 2 (alte Leseart Niveau 6). Ein Veloweg liesse sich ohne lange Umwege kaum machen. Das machte uns neugierig und Recherchen zeigen: Ein Veloweg (rot eingezeichnet) könnte über eine Rampe durch das Parking auf Niveau 1 (5) geführt werden, welche noch in den 80er Jahren vorhanden war (siehe Luftbild links). "Verkehrstechnische Erschliessung: Es ist vorgesehen, dass der Gebäudekomplex zu einem späteren Zeitpunkt auch von der Gundeldingerseite her für Fahrzeuge erschlossen wird" ist aus dem Baubeschrieb des Post Betriebsgebäude zu entnehmen (vollständiges Dokument siehe nachfolgend). Somit ist von einem unbefristeten Nutzungsrecht auszugehen. Das ist sehr wichtig, anderenfalls drohen Warteschlaufen wie beim Velotunnel unter dem HB Zürich. Warum also genau diese Rampe beim Reiterbau nicht neu auflegen?

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Veloweg durch das Reitergebäude
Mischverkehr Auto/Velo/Fussgänger ist heute mit entsprechender Farbgebung / Beleuchtung und innovativer Verkehrsführung machbar. Update vom April 2020: Der unten skizzierte Veloweg durch den Reiterbau hat ProVelo beider Basel überzeugt und ist nun zur Vorberatung bei der Bau- und Raumplanungskommission deponiert: Konkrete Planung der Ein- und Ausgangssituation ins Nauentor im Bereich Solothurner- und Nauenstrasse (u. a. Einbezug IWB-Platz und Weiterführung der «Magistralen» über die Nauenstrasse hinweg in die Innerstadt, z. B. durch das neu zu erstellende BIZ-Areal).

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Pläne zu einer Gleisquerung Bahnhof Ost
Projektbeschrieb Suter+Suter, März 1970 ( 8-seitiges PDF | 1 MB | A4 )
Aktueller Plan überzeichnet mit Variante Veloweg ( 2-seitiges PDF | 1.1 MB | A3 )
Anregung Vernehmlassung Stadtraum Bahnhof ( 1-seitiges PDF | 0.8 MB | A4 )

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"Eine direkte und schnelle Veloverbindung durch den Neubau als Alternative zur Peter Merian-Brücke ist durch das zu überwindende Höhenniveau und der daraus resultierenden langen Wege nicht sinnvoll" schreibt das Bau- und Verkehrdepartement in seinem Ratschlag zum Areal Nauentor. Richtig ist: Die direkte Veloverbindung ab Solothurnerstrasse (rot eingezeichnet) ist möglich und sehr attraktiv. Plan aktualisiert im April 2020.

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Das Postbetriebsgebäude – eine industriell konzipierte Anlage

Um 1955 ist klar, das die aus der Zeit gefallenen Post 2 ersetzt werden müsste. Dem Vernehmen nach dringt der Plan aus Bern durch, einen neuartig konzipierten Bau über das Gleisfeld, einen sogenannten Reiterbau, zu erstellen. Mit dem Abriss der im Federal Style erstellten Post 2 erfolgt ein Bruch mit der am Bahnhof vorherrschenden Architektur an prominenter Stelle. Da die historische Bahnhofshalle – vielleicht zu Recht – noch immer als die Referenz für das ideale Ambiente auf Bahnreisen gilt, kann ein Neubau am Platz störend wirken. Diese Ansicht hält sich hartnäckig, ungeachtet der Funktion, welche ein Bau zu erfüllen hat. Für den inzwischen im Auslaufmodus befindlichen Post-Reiterbau von Suter+Suter wäre von Seiten Denkmalpflege etwas mehr Initiative angebracht, auch seine gelungenen Aspekte hervorzustreichen.

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Um 1970 sind neben zusätzlichen Aufgaben der PTT (z.B. Zahlungsverkehr, Telekommunikation) etwa die Zusammenlegen der Post 17 für Expressgut ein Thema. Die Betriebsamkeit der Post, welche quer über den Centralbahnplatz abgewickelt wird, ist für ankommende Bahnreisende ein Ärgernis. Die Post soll aber auch den motorisierten Kunden – es sind Boomzeiten des Automobils – ein speditive und bequeme Abfertigung geboten werden. Die Basler Nachrichten fassten dann die Funktionalitäten nach erfolgter Baueingabe um 1970 in einem Artikel "Postzentrum teilweise über Bahnanlagen" vom 1.5.1971 wie folgt zusammen:

  • Ebenderdig mit der Nauenstrasse/Gartenstrasse [befinden sich] die Räumlichkeiten für den Publikums[auto]verkehr.
  • Im ersten Obergeschoss – das sich über das ganze Areal erstreckt – [entstehen] rund 360 Parkplätze für Postangesellte und Kunden, Personaleingang und Garderoben, eine Passerelle zwischen Solothurnerstrasse und Centralbahnstrasse mit Café.
  • [In weiteren Obergeschossen sind Betriebsstätten und Instruktionsräume untergebracht]
  • Im ersten Untergeschoss [vorgesehen ist] die Abteilung des Paktversandes, an die ein niveaugleicher Posstunnel für Rollwagentransporte von und zu den Zügen im Bahnhof bzw. zu Perronliften angeschlossen ist.
  • [ ... ]

Betreffend der Passerelle konnte im Gespräch mit T. Degen, dem vormaligen Direktor der PTT, in Erfahrung gebracht werden, dass die Eigentümerschaft des Streifens zwischen Post-Betriebsgebäude und Perrondach der SBB von der PTT an den Kanton Basel-Stadt übergegangen sei. Weitere Recherchen beim Staatsarchiv sind wegen nötiger Zusagen für Akteneinsicht bei privater Eigentümerschaft, in diesem Fall die Post Immobilien, noch nicht erfolgt. Bild: Aus der NZZ vom 17.6.1972

velop.ch am 1.6.2020

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Artikel zum Thema: Gundeldingerzeitung (PDF) | Regionaljournal SRF

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Geschrieben von VELOP.CH am Donnerstag Februar 27, 2020

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